RZO Freistadt

Freistadt
2009
Foto: Simon Bauer / Dietmar Tollerian
"LANDWIRTSCHAFTL. KOMPETENZ"

Alltagstauglich, sparsam, nachhaltig, im Einklang mit dem Landschaftsraum: so soll Bauen für die Landwirtschaft sein. Das Rinderkompetenzzentrum Freistadt der Two in a Box Architekten ist ein hervorragendes Beispiel dafür.

 
Sein Bauherr, der Rinderzuchtverband OÖ, war sich der Verantwortung bewusst, die mit der Errichtung der neuen Vermarktungs- und Exportanlage verbunden sein würde. Denn neben der Funktionstüchtigkeit einer mit drei Ställen und einer Versteigerungshalle sowie den notwendigen Verwaltungs- und Nebenräumen keineswegs kleinen Baumaßnahme waren auch deren prominente Lage auf einer Hügelkuppe in unmittelbarer Nähe der Landwirtschaftsschule und nicht zuletzt der Eindruck zu berücksichtigen, den der Verein damit bei Mitgliedern und Kunden aus In- und Ausland erwecken würde. Man entschloss sich daher, den Planungsauftrag über einen geladenen Architektenwettbewerb zu vergeben. Die Ottensheimer Two in a Box Architekten haben ihn vor allem dank der klaren Systematik ihres Entwurfes für sich entschieden.
 
Dieser trennt strikt die Wege sowohl von Besuchern und Lieferanten als auch jene der Tiere. Der Kälberstall, die Versteigerungshalle, der Versteigerungsstall und zuletzt der Exportrinderstall sind an einer von Osten nach Westen verlaufenden Erschließungsachse aufgefädelt. Dazwischen liegen niedrigere Trakte, die das Volumen gliedern und wichtige Nutzungen, wie Übernahme, Waage oder Melk- und Waschbereiche aufnehmen. Das verkürzt die Triebwege für die Kühe und ermöglicht eine reibungslose Bewirtschaftung der Anlage. Die Anlieferung erfolgt über die den Ställen im Süden vorgelagerten, von zarten Vordächern beschirmten Rampen. Der Haupteingang für Besucher befindet sich im Norden.
 
Hier betritt man das Herzstück der Anlage, die Versteigerungshalle, im Obergeschoss. Sie ist, wie auch teilweise die Ställe, unter Ausnutzung der Topographie in das Gelände eingegraben. Damit war auch die Wahl eines Baustoffes klar: das Erdgeschoss der Hallen ist aus Stahlbeton errichtet. Darüber erheben sich, mit umlaufenden Glasbändern von den Wänden abgesetzt, Dachkonstruktionen aus Holz. Auch das Obergeschoss der Versteigerungshalle und die Außenwände des ihr im Süden vorgelagerten Bürotraktes bestehen aus vorgefertigten Holzelementen. Während diese im Norden mit einer horizontalen Schalung in Erscheinung treten, ist die Fassade des Bürotraktes im Süden mit einem durchscheinenden Kunststoffnetz bespannt, das, ein Kuhfell imitierend, als Werbeträger des Rinderzuchtverbandes dient.
 
Im Inneren der lichtdurchfluteten Gebäude sind das in Schichten verleimte Holz der Dachbalken und die Holzwerkstoffplatten der Außenwände sichtbar geblieben. Auch die durchwegs hölzernen Sitzreihen der Versteigerungshalle nutzen gleichermaßen die statische Funktionstüchtigkeit des heimischen Baustoffes wie die vielfältigen Qualitäten seiner Oberfläche.